Caring Community in Neubrandenburg: Viele Ansätze – aber noch kein umfassendes Konzept
Die Fraktion BSW/BfN in der Stadtvertretung Neubrandenburg hat mit einer Anfrage die bestehenden Angebote und Perspektiven einer sogenannten „Caring Community“ in der Vier-Tore-Stadt thematisiert. Hintergrund ist der demografische Wandel: Die Bevölkerung wird älter, und damit steigt auch der Bedarf an sozialer Unterstützung, Begegnungsangeboten und nachbarschaftlicher Hilfe.
Der Begriff „Caring Community“ beschreibt eine Gemeinschaft, in der Bürgerinnen und Bürger, soziale Dienste, Vereine und Kommunen zusammenarbeiten, um gegenseitige Unterstützung, Teilhabe und Lebensqualität im Alltag zu stärken. Ziel ist es, Einsamkeit zu reduzieren und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.
Aus der Antwort des Oberbürgermeisters geht hervor, dass es in Neubrandenburg bereits zahlreiche Strukturen gibt, die Elemente einer solchen sorgenden Gemeinschaft abbilden. Dazu gehören unter anderem das Netzwerk Stadtteilarbeit, das Netzwerk Familienwelten, das Netzwerk Frühe Hilfen, verschiedene Begegnungsstätten sowie Initiativen aus dem Prozess der Zukunftswerkstatt Neubrandenburg. Auch digitale Angebote wie die städtische Beteiligungsplattform „unser-nb.de“ oder eine Ehrenamtsbörse sollen die Vernetzung von Bürgerinnen und Bürgern verbessern.
Darüber hinaus spielen Quartiersmanagement, Stadtteilbüros, Vereine und ehrenamtliche Initiativen eine wichtige Rolle bei der sozialen Vernetzung in den Stadtteilen. Begegnungsorte wie Stadtteiltreffs, Mehrgenerationenhäuser oder Bewohnerinitiativen bieten Raum für Austausch, Engagement und gegenseitige Unterstützung.
Gleichzeitig arbeitet die Stadt an einer stärkeren Bündelung und Sichtbarkeit dieser Angebote. So soll unter anderem eine aktualisierte Übersicht zu Begegnungsorten im Stadtgebiet erstellt und online zugänglich gemacht werden. Auch Empfehlungen des Bürgerrates aus dem Jahr 2025 – etwa mehr barrierearme Begegnungsräume und eine stärkere Förderung des Ehrenamts – sollen geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt werden.
Allerdings macht die Stadtverwaltung auch deutlich, dass derzeit keine ausreichenden personellen Kapazitäten bestehen, um förderfähige Modellprojekte nach §123 SGB XI zur Entwicklung einer Caring Community zu initiieren oder zu begleiten. Eine aktive Teilnahme an solchen Modellvorhaben ist aktuell daher nicht vorgesehen.
Die Fraktion BSW/BfN sieht in der Antwort dennoch einen wichtigen Ausgangspunkt für weitere politische Diskussionen. Angesichts des demografischen Wandels werde es entscheidend sein, vorhandene Angebote besser zu vernetzen, ehrenamtliches Engagement zu stärken und neue Begegnungsräume zu schaffen, um Einsamkeit und soziale Isolation in der Stadt wirksam zu begegnen.
